ça c'est le maroc
Diesmal sitze ich nicht wie gewohnt im Cyber-Cafe in Taghazout, sondern haue in Safi in die Tasten! Nachdem ich zuvor lediglich zwei Kilometer von Taghazout nach Tamraght in eine wunderschoene und ziemlich gediegene Unterkunft mit nur coolen Leuten umgezogen bin, musste ich mich weiter vom Fleck bewegen.Aber eins nach dem anderen:
Als Abschied vom Camp in Tamraght, diente der erste Besuch im Hamam, dem traditionellen marokkanischen Dampfbad! Am Empfang gibt man all seine Sachen beim Portier ab, um anschliessend leicht bekleidet und mit zwei Eimern, Seife und einem speziellen Schwamm bewaffnet in den ersten von insgesamt drei dampfenden Raeumen -von denen der dreitte der heisseste ist- einzutreten. Hier kann man sich nun entweder selbst waschen oder -zu meinem Unglueck- waschen lassen! Letzteres musste ich natuerlich ausprobieren um herauszufinden, dass das mit dem Waschen was wir kennen nicht viel zu tun hat. Nach dem feinsaeuberlichen Einbalsamieren des auf dem Bodenliegenden -ich-, mit der Seife durch einen der zustaendigen gar nicht zimperlichen 'Bademeister', kommt der eher unangenehme Teil! Der Schwamm! Hat man den ueberstanden, hat man nichts mehr zu lachen! Was folgt sind Szenen, die wir nur aus dem Wrestling kennen...Danach "kann" -wenn man kann- man sich dann mit Hilfe der zwei Eimer abwaschen und abduschen.
Ich kann nur sagen, dass einer von uns dreien (Italiener, Franzose und ich), die sich haben waschen lassen, am Abend nach dem Erlebten nicht mehr gesprochen hat...der Franzose.
Trotz der unschoenen Szenen am Ende, war das ein sehr intensives und aussergewoehnliches Erlebnis. Auch wenn ich in meinem Leben wahrscheinlich noch nie so sauber war, beim naechsten Besuch -und das rate ich jedem- wasche ich mich selbst!
Am naechsten Morgen entschloss ich mich kurzer Hand diesen schoenen, von angenehmen Leuten bewohnten Ort, namens "Villa Solaire" zu verlassen, um das Abenteuer zu suchen! Und wer sucht, der findet bekanntermassen ja auch.

Nach einem kurzen, aber guten Fruehstueck mit neu gewonnenen Freunden -vor allem mein roomie Simone (Italiener) und der total durchgeknallte Michael (Schweiz)-, habe ich diese verabschiedet und mich mit Sack und Pack (und Brett) auf die zu diesem Zeitpunkt (ca. 12:00 Uhr) voellig ungewisse Reise gemacht. Auf die Reise machen heisst in eine Richtung losgehen!Den Rucksack auf dem Ruecken, das Surfbrett unterm Arm, Musik im Ohr und alles moegliche im Kopf mache ich mich auf in Richtung Essouira\Safi. Einige Minuten Fussmarsch spaeter, gelang es mir noch vor Taghazout, einen oeffentlichen, wie gewoehnlich viel zu vollen Bus, winkend zum Anhalten zu bewegen.
In marokkanischer Manier, ging es stehend, schwitzend und hin und her schwankend, viel zu schnell bis in den Ort Tamri, wo der klappernde, provisorisch reparierte Buss einfach nicht weiterfuhr.
Nach einigen Frage-und-Antwort-Spielen mit Einheimischen und Taxifahrern, finde ich mich mit 6 weiteren Passagieren, dem Fahrer (!) und meinem Gepaeck im Kofferraum (Rucksack und Brett! Im Kofferraum...) verstaut in einem fuenf-Mann Taxi wieder, das mich bis nach "Smimou", 120km vor Essouira bringt.

Dort angekommen finde ich erneut Platz in einem Taxi. Dismal mit 7 anstatt mit 6 weiteren Personen und somit meinem Gepaeck (Brett und Rucksack) auf dem Dach! Langsam und bedacht schleichen wir die staubigen immer steiler und schlechter werdenden Serpentienen in richtung Essouira entlang. Leute steigen aus, neue Passagiere steigen ein. Je weiter wir nach Norden kommen, um so gruener wird es um uns herum. Gegen 15:30 Uhr erreiche ich ein wenig geschafft aber immer noch gut gelaunt Essouira. Q-Tip hat mir die Fahrt mit seinen funky Beats erheblich verkuerzt.
Hatte ich mir zuvor vorgestellt, vielleicht ein wenig Zeit in Essouira zu verbringen, entscheide ich mich noch beim Aussteigen, dass ich noch heute nach Safi weiterreise!
Nach einigen harten Verhandlungen und ewigem Hin und Her sitze ich in...genau.Schon wieder ein Taxi. Nicht ganz so abgefuckt wie das vorherige, zum Ausschlachten allerdings schon lange nicht mehr geeignet.
Sehr genau betrachte ich, wie die mokka- gelbe, mit gruen gespickte Lanschaft an mir vorbeizieht; ich habe naemlich mit meinem Gesicht an der Scheibe und einer halben Arschbacke auf der Sitzbank, der anderen auf dem Tuergriff, den mit Abstand besten Blick...
Eine Busfahrt und drei Schrott-Taxis spaeter habe ich eine ziemlich abenteuerliche Reise hinter mir und erreiche voellig planlos Safi! Egal. 

Safi ist geschafft. Jetzt muss ich nur noch Karim (dessen Adresse ich vom Felix habe), finden. Der weiss noch nichts von seinem Glueck, weil ich es in fuenf Tagen nicht geschafft habe ihn anzurufen. Aber das kenne ich ja...
Ich stehe an der Taxi-Station mitten in Safi und weiss nicht wirklich wo ich mich geographisch befinde. Da es aber erst 16:10 Uhr ist, denke ich mir: " Es ist noch so lange hell, bis dahin finde ich den locker! Ich geh einfach malk in eine Richtung, die mir richtig erscheint..."
In einer kleinen Seitenstrasse und mit einem ersten Eindruck der Stadt, frage ich dann einige Jugendliche, ob sie einen Karim kennen, der surft und hier irgendwo wohnen soll!? Etwas irritiert und unglaeubig betrachten die fuenf Jungs den Fremden, der mit Rucksack und Surfbrett, schwitzend und planlos in ihrer Mitte steht und gerade nach einem Karim aus Safi gefragt hat -alle die in Deutschland Christoph heissen, tragen hier den Namen Karim!
Nach kurzer Beratung nimmt mich einer von den fuenf einfach auf seinem Mofa mit und bringt mich zu einem Surfshop. Dort begruesst mich der Besitzer und fragt mich, wen ich genau suche. Auch ihm sage ich, dass ich nach einem Surfer namens Karim suche. Eine kurze Weile spaeter schickt er einen seiner Kumpels, die vor dem Shop rumlungern los.

Im naechsten Augenblick kommt ein strahlender Karim um die Ecke, der nur ueber den Felix Wind davon bekommen hat, dass ihn jemand besuchen kommt!
Im Nachhinein unfassbar und ziemlich gluecklich gelaufen. Aber solche Dinge passieren eben, wenn man sie passieren laesst! Hier sagt man zu sowas: "Inch Allah"...
Nun bin ich bereits den dritten Tag hier und habe noch keinen Surf gesehen. Ich ertappe mich deshalb immer wieder dabei, dass ich mich frage, warum ich Tamraght eigentlich verlassen habe.
Aber dann denke ich mir: schade dass du keinen Surf hast, aber so lernst du Marokko von seiner wahren Seite kennen! Untergebracht bei Karim im Haus. Einfach, natuerlich, minimalistisch und ein wenig aermlich, sind die Verhaeltnisse, in denen die Familien hier leben. Auf engstem Raum zusammen, zu fuenft, zu sechst, zu siebt...mit einem Klo, dass gleichzeitig als Dusche funktioniert, nur kaltem Wasser! Sehr unverwoehnt alles!

Aber sie lachen, leben und sind soweit ich das beurteilen glueklich und ueber allem unvorstellbar gastfreundlich...
ça c'est le maroc!
Aloah Henner


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